Es war im Sommer 1995. Mein Mann und ich befanden uns in einem Bochumer
Lebensmittelgeschäft, als eine Verkäuferin mit einem kleinen
Pappkarton auf uns zu trat. Sie meinte irgend jemand habe eine Ratte oder so
etwas ähnliches in dem Geschäft ausgesetzt. Wir schauten uns das Tier
im Karton an. Eine Ratte oder ein anderes, bei uns frei lebende Tier konnte es
nicht sein, das sahen wir sofort. Da die Verkäuferin das Tier vor dem
Laden aussetzen wollte, nahmen wir es ihr ab und mit nach Hause.
Jetzt war erst einmal die Fachliteratur gefragt. Nach mehreren Lesestunden und
intensivem Bilder Vergleichen waren wir uns sicher. Das musste ein junger DEGU
sein. Zu diesem Zeitpunkt war unser Bildungsstand, bezüglich der Haltung
von Nagetieren, fast auf dem Nullpunkt. Aber wir hatten ja Fachliteratur und
als Aquarianer auch jede Menge leere Aquarien im Keller. Wir stellten also ein
leeres Aquarium auf. Die Abdeckung wurde aus dünnmaschigem Drahtgitter
gefertigt. Ein Trinkgefäß war schnell gefunden und unser DEGU bezog
seine neue Heimat. Das natürlich eine halbwegs ausreichende
Luftzirkulation in einem Aquarium nicht gegeben ist, darauf kamen wir nicht.
Nun saß unser DEGU hinter Glas und lief aufgeregt herum. Das
Einzeltierhaltung in den meisten Fällen Tierquälerei ist, wussten wir
schon damals. Also entschlossen wir uns dem DEGU einen Partner zu besorgen. In
mehreren Tiergeschäften ernteten wir nur ein verständnisloses
Kopfschütteln. DEGUS, was sollte das sein. Die lebten bestimmt nicht unter
Wasser?
Wir waren bereits der Verzweiflung nahe, als das Schicksal es gut mit uns
meinte. Ja, sagte der Händler, er kennt DEGUS, das sind doch die kleinen
Verwandten der Chinchillas und er hat sogar noch ein weibliches Tier da. Hurra
endlich, wir nahmen das Tier und schnell ab nach Hause.
Wir setzten unseren neu erworbenen DEGU ebenfalls in das Aquarium. Unsere
Freude war groß, die der Tiere weniger. Unser gefundener DEGU ging
ständig auf den Neuankömmling los und verbiss sich in ihm. Wir
mussten die Beiden trennen. Das war ja auch kein Problem, wie gesagt als
Aquarianer.....Wir dachten nach einer gewissen Eingewöhnungsphase
würde das schon werden. Doch Tage später nach mehreren
fehlgeschlagenen Zusammenführungsversuchen, wollten unsere beiden DEGUS
immer noch nicht miteinander.
Wir wälzten wieder Fachliteratur und wurden fündig. Da gab es ein
Tier, das sah genauso aus wie ein Degu. Nur war es etwas kleiner. Wir trauten
unseren Augen kaum. Seit mehreren Tagen versuchten wir jetzt ein Deguweibchen
mit einer männlichen Wüstenrennmaus zu Vergesellschaften. Waren wir
blöd.
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Eine Entscheidung musste fallen. Degu oder
Wüstenrennmaus. Unsere Entscheidung fiel zu Gunsten des Degus aus. Die
Wüstenrennmaus wurde verkauft und weitere Fachliteratur zum Thema Degu
angeschafft. (Nagetier - gleiche Heimat wie Chinchilla - klettert gerne -
sehr Bewegungsfreudig - Tagaktiv) Wir schauten uns an, betrachteten unser
aquaristisches Degubehältnis und das schlechte Gewissen machte sich breit.
Damit war der erste Schritt klar, ein vernünftiger Käfig musste her.
Damit die zukünftigen Bewohner sich auch bewegen konnten, sollte der schon
eine bestimmte Größe haben. Die Zoofachgeschäfte wurden
abgeklappert. Nichts, die angebotenen Käfige entsprachen alle nicht
unseren Vorstellungen.
Also hingesetzt, überlegt und dann zum Baumarkt. Ein Käfig der Marke
"Eigenbau" wurde erstellt. Abmessungen H-180cm / T-55cm / B-120cm.
Der Innenausbau wurde mittels Naturholzbrettern und Baumästen realisiert.
Dann wurden Degus angeschafft, denn wie auch die Chinchillas ist der Degu ein
Herdentier.
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Neun Monate später. Mittlerweile hatte sich in der Nachbarschaft
herumgesprochen, dass die Richters absolute Tieridioten sind. Aus einem
zugeflogenen Unzertrennlichen waren inzwischen zwei Paare geworden. Aus einem
nicht mehr gewollten Zebrafinken war ein Schwarm Buntfinken entstanden. Vor dem
Aquarium mit afrikanischen Buntbarschen lag der Schäferhundmix aus dem
Tierheim und aus dem Deguweibchen war eine kleine Gruppe geworden.
In dieser Situation erhielten wir aus einer Notabgabe (wegen Allergie), einen
Chinchillabock. Er hatte zu dem Zeitpunkt schon das stattliche Alter von 13
Jahren erreicht. Er war zwar agil, doch da er die meiste Zeit des Tages in den
beengenden Verhältnissen des "CHINCHILLAKÄFIG"s zubringen
musste, wurde bei uns das nächste Änderungsvorhaben angedacht. Zumal
uns klar war, dass er keinesfalls allein bleiben durfte.
Bedauerlicher Weise war unsere Wohnung bereits zu einem kleinen
Zoofachgeschäft mutiert und geeignete Standflächen waren Mangelware.
Eine Lösung musste her. Nach reiflicher Überlegung stand fest, die
Degus mussten uns verlassen. Damit wurde der Käfig Marke
"Eigenbau" frei und konnte entsprechend den Bedürfnissen von
Chinchillas umgebaut werden. Nachdem der Chinchillaopa (Fips) seine neue Heimat
bezogen hatte, wurde eine Gefährtin für ihn angeschafft. Doch leider
stellte sich heraus, dass er absolut unverträglich war.
Durch vorhergehende, langjährige Einzeltierhaltung war er nicht mehr in
der Lage ein soziales Gefüge mit Artgenossen aufzubauen. Wir versuchten es
etwa eine Woche lang. Chinchillas trennen und wieder zusammenführen. In
dieser Zeit habe ich die Körpersprache der Chinchillas auswendig gelernt.
Mit Hilfe der gelernten Chinchilla-Körpersprache wäre ich jederzeit
in der Lage gewesen eine längere Diskussion zu führen. (Nur das
gezielte Urinspritzen klappt heute noch nicht *ggggg )
Nun, eine Trennung von den Chinchillas kam jedenfalls nicht mehr in Frage. Also
zog unser Chichillaopa wieder in seinen alten Käfig. Kaum war er dort
angekommen und hatte alle Ecken kontrolliert, war er wie umgewandelt. Man kann
es für Spinnerei von Tierfanatikern halten. Man kann es auf teilweisen
Ausfall der Gehirnströme oder auf Verdunkelung der verbliebenen, geistigen
Lichtblicke schieben. Uns kam es jedenfalls so vor, als wenn der Chinchiopa
lachend in seinem Käfig saß.
Jetzt mussten wir natürlich noch mindestens ein Tier zur Gesellschaft des
weiblichen Chinchillas besorgen und etwa ein Jahr später kamen die ersten
Jungtiere. Bis zum heutigen Tage halten wir Chinchillas. Immer in einer Gruppe
von etwa drei bis sechs Tieren, je nach Wurfstärke und Verbleib der
Jungtiere bei uns. Ach ja, den Chinchillaopa (Fips) gibt es immer noch. Seine
Sehkraft hat erheblich nachgelassen und er erkennt nur noch hell und dunkel.
Doch diese Tatsache scheint ihn nicht weiter zu stören. Er ist immer noch
körperlich gut dabei und fühlt sich wohl in seiner, selbst
gewählten Einzelhaft. Wenn die damalige Altersangabe seiner Vorbesitzerin
stimmt, dann hat er zum heutigen Zeitpunkt das stolze Alter von 20,5 Jahren
erreicht. Hoffentlich bleibt er uns noch einige Zeit erhalten, denn mit ihm kam
auch das Chinchillafieber zu uns. |
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